Lastenhefte analysieren

Lastenhefte analysieren – ein wichtiges Puzzlestück in der Entwicklung, um zu verstehen, was der Kunde sich wünscht. Denn Lastenhefte beschreiben das „Wünsch-dir-was“ eines Kunden.

Entsprechend der DIN 69901-5 sind Lastenhefte die „vom Auftraggeber festgelegte Gesamtheit der Forderungen an die Lieferungen und Leistungen eines Auftragnehmers innerhalb eines Auftrages“.

Nun begebe ich mich daran, die vorhandenen Lastenhefte zu bewerten. Diese Bewertung ist notwendig, um genau zu beurteilen, was aus dem „Wünsch-dir-was“ des Kunden wirklich für das Projekt relevant ist. Gerade dann, wenn es darum geht, dass oftmals Lastenhefte im Nachhinein aktualisiert werden, ist die Bewertung des jetzigen Stands der Lastenhefte wichtig, um mit dem Kunden bei Änderungen auf Augenhöhe sprechen zu können. Dazu gehe ich folgendermaßen vor:

Alle Lasten verfügbar machen

In diesem Schritt bringe ich alle gefundenen Lastenhefte, Informationen, Präsentationen, Dokumente, Normen und so weiter in das Requirement-Management-Werkzeug. Falls schon Module vorhanden sind, dann bringe ich diese in einem gemeinsamen Ordner für die Lasten unter. Für jedes noch nicht vorhandene Artefakt lege ich ein eigenes Modul in dem gemeinsamen Ordner an.

Je nach Werkzeug kann diese Aufgabe einfach oder komplizierter werden. Oft ist dieser erste Schritt ziemlich zeitraubend. Falls ich zu viele Artefakte habe, die noch nicht im Werkzeug verfügbar sind, nehme ich mir im ersten Durchlauf die wichtigsten Artefakte und bringe sie in das Werkzeug.

Anschließend schaue ich, ob für die Anforderungen in den Modulen auch eine entsprechende Nummerierung vorgenommen worden ist. Diese Nummerierung ist wichtig, um später auf eine Anforderung wieder Bezug nehmen zu können.

Die notwendigen Attribute für eine Bewertung einfügen

Ich nutze fünf Attribute, um die Anforderungen zu bewerten. Wenn die Attribute noch nicht vorhanden sind, füge ich sie ein:

Typ: Mit diesem Attribut lege ich fest, welchen Typ die Anforderung besitzt.

Die von mir verwendeten Typen sind:

  • Heading = Identifiziert eine Überschrift,
  • Req = Identifiziert eine Anforderung,
  • ReqInfo = Identifiziert eine Information zu einer Anforderung,
  • DocInfo = Identifiziert eine Information zum vorliegenden Dokument.

Domäne: Mit diesem Attribut lege ich fest, in welchen fachlichen Bereich die Anforderung fällt. Dabei kann ich auch mehrere Bereiche auswählen.

Die Domänen sind:

  • Project = Anforderungen, die das Projekt und nicht das System betreffen,
  • System = Anforderungen, die das System als Ganzes betreffen,
  • Mechanic = Anforderungen, die die Mechanik betreffen,
  • Hardware = Anforderungen, die die Hardware betreffen,
  • Software = Anforderungen, die die Software betreffen,
  • Testing = Anforderungen, die den Testbereich betreffen.

Status: Mit diesem Attribut lege ich fest, in welchem Status die Bearbeitung der Anforderung ist.

Die Werte sind:

  • n/a = noch nicht begonnen,
  • in review = in der Bewertung,
  • in Klärung = Anforderung wird gerade geklärt,
  • geschlossen = Bewertung abgeschlossen.

Bewertung: Mit diesem Attribut dokumentiere ich die Entscheidung zu der Anforderung.

Die Werte sind:

  • akzeptiert = die Anforderung wird akzeptiert,
  • teilweise akzeptiert = Die Anforderung kann nur in Teilen akzeptiert werden,
  • abgelehnt = Die Anforderung wird abgelehnt.

Kommentar: Je nach Anforderung und Bewertung kann ich hier noch als Klartext einen Kommentar einfügen.

Die Bewertung vornehmen

Jetzt bewerte ich die Anforderungen und setze die von mir angelegten Attribute.

Falls ich zu viele Anforderungen zu bewerten habe, dann nehme ich mir im ersten Durchlauf die wichtigsten Anforderungen und gehe sie durch. Alternativ binde ich zur Bewertung auch die Fachkollegen mit ein. Das geht besonders gut, wenn die Artefakte nach dem fachlichen Schwerpunkt organisiert sind. Beispielsweise kann das Lastenheft für die mechanischen Komponenten auch ein Konstrukteur bewerten.

Offene Fragen dokumentieren

Mit dem Attribut „Status“ kann ich nun die offenen Fragen herausziehen, in dem ich nach dem Wert „in Klärung“ filtere. Das Ergebnis schicke ich als entsprechende Mail an die Kollegen, die mir dazu eine Rückmeldung geben können.

Den aktuellen Stand versionieren

Wenn ich diesen Schritt abgeschlossen habe, versioniere ich das Ergebnis mit einer Baseline. Dieser Schritt ist wichtig, um später bei Änderungen die alten Ergebnisse nachvollziehen zu können.