5 Schritte zur erfolgreichen Systemabgrenzung im Lastenheft

Eine erfolgreiche Systemabgrenzung hilft im Lastenheft zu entscheiden, wo drinnen und wo draußen ist.

Ein System existiert niemals alleine, sondern interagiert immer mit anderen Systemen oder Menschen. Die Grenzen zeigen uns, was im System drinnen und draußen ist. Gleichzeitig ermöglicht uns die Systemgrenze auch, die Schnittstellen des Systems zu identifizieren und festzulegen, was über die Systemgrenzen hinweg ausgetauscht wird. Schnittstellen sind der entscheidende Faktor in einem System.

Oft werden Schnittstellen nicht richtig identifiziert und dann auch nicht richtig bedient. Das führt häufig zu schweren Systemfehlern, die dann aber oft auch nicht so einfach berichtigt werden können.

Ich nutze bei der Erstellung der Systemabgrenzung fünf Schritte:

  1. Definiere, was draußen und was drinnen ist
    Entscheidend für das Systemverständnis ist zu wissen, was zum System gehört. Auch wenn viele Entwickler meinen zu wissen, was zum System gehört, ist in den Projekten die klare Abgrenzung nicht vorhanden.
    In diesem Schritt verschaffe ich mir einen Überblick über alle Komponenten und (Teil-) Systeme auf der obersten Ebene. Dazu nutze ich ein Whiteboard und Post-its. Auf dem Whiteboard zeichne ich ein großes Rechteck und klebe die Post-its in das Rechteck, wenn ich diese Komponenten oder Teilsystem als intern definiere. Wenn das System als externes System definiert wird, dann klebe ich es außerhalb des Rechtecks auf.
    Als Quellen dienen mir der Systems Footprint und die Notizen aus der Analyse der Lastenhefte. So erhalte ich langsam einen Überblick und kann entscheiden, wie die erste grobe Systemabgrenzung aussehen muss.
  2. Gruppiere die externen Systeme
    Durch den ersten Schritt habe ich nun alle externeren Systeme als Post-its außen um das Rechteck aufgeklebt. Nun beginne ich, die Zettel nach einem ersten Schema zu gruppieren. Beispielsweise alle Systeme, die für die Fahrdynamik zuständig sind. Oder alle Systeme, die zur Erweiterung eines Systems hinzugekauft werden können. Wie Sie die Gruppierung durchführen, hängt von Ihrem System ab. Es gibt hier kein Richtig oder Falsch. Bei mir ist oft die zweite oder dritte Version deutlich unterschieden vom ersten Entwurf. Wichtig ist, dass Sie mit der Gruppierung beginnen und Muster dafür finden.
  3. Definiere die Schnittstellen auf einer groben Ebene
    In diesem Schritt zeige ich die Schnittstellen auf, die zwischen dem eigenen System und den externen Systemen existieren. Dazu nutze ich Boardmaker in drei verschiedenen Farben, um die drei Grundtypen für Systemschnittstellen (Austausch von Information, Energie oder Stoffen) darzustellen. Ich zeichne eine Linie zwischen dem eigenen und dem externen System in der jeweiligen Farbe. Gibt es mehrere unterschiedliche Schnittstellen, dann zeichne ich mehrere unterschiedlich farbige Linien. Am Ende der Linien zeichne ich Pfeilspitzen. Je nach Richtung der Schnittstelle zeichne ich eine oder zwei Pfeilspitzen an die Linie.
  4. Visualisiere das Ergebnis
    Im letzten Schritt geht es darum, das Ergebnis vom Whiteboard zu übertragen und für die nächsten Schritte nutzbar zu machen. Ich übertrage das Ergebnis gerne in ein SysML Schaubild. Wer kein SysML kennt oder kein Werkzeug dafür hat, kann auch hervorragend Powerpoint dafür nutzen. Welches Werkzeug Sie nutzen, ist am Ende des Tages egal. Auf den Inhalt kommt es an.
  5. Systemabgrenzung reviewen
    Reviews sind ein wichtiger Schritt während des Entwicklungsprojekts. Sie sind meiner Erfahrung nach eine Geheimwaffe, mit der früh Fehler oder Verständnisprobleme abgefangen werden können.
    Nehmen Sie sich Ihre Systemabgrenzung und suchen Sie sich ein oder mehrere Kollegen, die Ihnen ein Feedback geben können.
    Seien Sie nicht überrascht, wenn Ihre späteren Versionen der Systemabgrenzung anders aussehen als die erste Version. Die Rückmeldungen durch die Kollegen sind wichtig und führen bei mir oft zu einer neuen Version, mit denen ich mich Schritt für Schritt einem guten Ergebnis nähere. Ich habe noch nie erlebt, dass meine dritte oder vierte Version der Systemabgrenzung noch genau so aussah, wie mein erster Wurf.